Papiermühle

Zwischen den Jahren!

Nebel in der SchonungNebel in der Schonung

SonnenuntergangSonnenuntergang

Ach ja, am 28. Dezember 2017 war in der Totholzausgabe des ehemaligen Solinger Intelligenzblattes wieder ein Artikel zum leidigen Thema zu lesen: "Kein Ersatz für die Brücke an der Papiermühle -- Rundweg an der Wupper seit 13 Jahren unterbrochen. Schwierige Eigentumsverhältnisse." Verlinken kann ich den Artikel aus bekannten Gründen nicht mehr (Paywall). Inhaltlich kaum Fakten, nur Andeutungen: Mindestens 230.000 Euro soll der Brückenersatz nun kosten und es scheint einen neuen Grundstückseigentümer zu geben, der dort unten Wohnhäuser bauen will.

Nachtrag 29.12.2017:
Einen Tag später schiebt das Solinger Tageblatt eine Meldung mit der Überschrift Solingen baut eine Brücke in Messerform nach.
Demnach möchte man eine rund 800.000 Euro teure Brücke mit finanzieller Hilfe der Solinger Bürger in Strohn errichten. „Es fehlen unter dem Strich noch rund 70 000 Euro“, sagt Stadtdirektor Hartmut Hoferichter.

Leider kann ICH den Artikel nicht verlinken. Ihr müsst schon Tantel Google bemühen, um die Paywall zu umschiffen. Schöne neue Verlegerwelt!

Der Drudenfuß

Ein Überbleibsel

Drudenfuß: die Reste eines KunstwerkesDrudenfuß: die Reste eines Kunstwerkes

Diese Mosaik war Bestandteil eines 2 × 6 Meter großen Bronze-Reliefes, das die Solinger Künstlerin Lies Ketterer 1967 im Auftrage der Papiermühle Jagenberg schuf. In Form eines Bilderbogens schilderte sie ein Stück bedeutender Vergangenheit. Mit Hilfe des Frieses führte sie den Betrachter in die historische Papierherstellung und die Geschichte der Solinger Papiermühle ein.

Bronze-Relief von Lies KettererBronze-Relief von Lies Ketterer

Reste der Papiermühle an der Wupper: einkopiert das Relief, welches heute nicht mehr vorhanden istReste der Papiermühle an der Wupper: einkopiert das Relief, welches heute nicht mehr vorhanden ist

Ach ja: Johannes Soter war ein Papiermacher und Buchdrucker in Solingen, in der Hofschaft Papiermühle, möglicherweise der Erste seiner Zunft hier in dieser Stadt. Das Pentagramm war sein Markenzeichen.

Ein paar Links zu Soter und der Papiermühle:

Auf Spurensuche rund um die Papiermühle

Mit von der Partie: Herr Olsen

Von den Werk-Gebäuden der einstigen Papiermühle ist fast nichts mehr vorhanden.

Hier ein Vergleich:

Solinger Papiermühle: im Februar 2002Solinger Papiermühle: im Februar 2002

Markiert habe ich den Fassadenabschnitt, der noch vorhanden ist und im nächsten Foto zu sehen ist.

Fassadenrest im August 2010: PapiermühleFassadenrest im August 2010: Papiermühle

Positiv kann man bemerken, dass man in Hofschaft Papiermühle mächtig aufgeräumt hat.

Vor Ort kann man auf einer Stele etwas zur Geschichte lesen:

Schriften aus Salingiacum

Der Buchdruck war gerade erst erfunden und nur wenige Menschen konnten lesen und schreiben, als Mönche des Altenberger Klosters um 1520 hier die erste Papiermühle im Herzogtum Jülich und Berg errichteten. Zur Herstellung benötigten sie jede Menge Lumpen, die es in der dicht bevölkerten Gegend reichlich gab. Das Bindemittel gewann man aus Knochen- und Hornabfällen aus der Schneidwarenindustrie. 1537 übernahm der sehr gebildete Buchdrucker Johann Soter aus Köln die Mühle. Hier konnte er das Papier für die von ihm vertriebenen theologischen Schriften und Werke Homers, Ciceros und Aristoteles herstellen. Als Druckort gab Soter „Salingiacum“ – eine Latinisierung des Namens Solingen an. 300 Jahre blieb die Papiermühle im Besitz der Familie Soter. Die wachsende Industrie schätzte ihr Blaunähnadelpapier, ein aus alten Schiffstauen hergestelltes, wasserabweisendes Verpackungsmaterial. 1826 übernahm die Familie Jagenberg den Betrieb. Die Mechanisierung in großem Stil, angetrieben von einer 300 PS Dampfmaschine, erfolgte in den 1860er Jahren. Neben weißen Druck- und Schreibpapieren hatte man sich auf säurefreies, rostschützendes Packpapier für die Stahlindustrie spezialisiert. Nachdem 1880 große Teile der Anlagen abgebrannt waren, entstand eine moderne Fabrik, die bis in 1990er Jahre produzierte. Zu ihr gehörten die 1907/08 errichteten Wohnhäuser mit Selbstversorgergärten.

Fabrikantenvilla der Familie Jagenberg: errichtet 1898Fabrikantenvilla der Familie Jagenberg: errichtet 1898

Auf dem runden Sockel im Vordergrund soll einmal ein Kollergang gestand haben.

Hier ein Blick in Richtung Wupper, Cronenberg:

Papiermühle: heute überwiegt das Grün in dieser IndustriebrachePapiermühle: heute überwiegt das Grün in dieser Industriebrache

Wenn man die Idylle verlässt, so stößt man bald auf – richtig – Schilder:

Bitte nicht füttern !: Wir müssen Wolle geben.Bitte nicht füttern !: Wir müssen Wolle geben.

Wie füllt man das Sommerloch?

Antwort: Mit dem Abrissdreck von Brücken, der private Sperrung von Wanderwegen im Ittertal oder der Asphaltierung von Wanderwegen.

EinsturzgefahrEinsturzgefahr

Hier die neueste Meldung, die direkt neben der Wegeneubaumeldung im Solinger Tageblatt von heute zu finden ist:

Kein Neubau der Brücke Papiermühle

Verhandlungen zur Kostenteilung mit Wuppertal gescheitert.

Die Bauarbeiten an der Fußgängerbrücke Holunderweg haben begonnen [Der Abriss ist damit gemeint]. Aber wie schaut es mit der Brücke über die Wupper an der Papermühle aus? Ernst-Friedrich Honscheid vom Stadtdienst Natur und Umwelt erklärt, dass von städtischer Seite aus keine Maßnahmen bezüglich der Brücke mehr angedacht seien. „Wir haben mit der Stadt Wuppertal über eine 50-prozentige Kostenübernahme für den Neubau der Brücke verhandelt. Diese Verhandlungen sind gescheitert.“ Man rechne mit Kosten in Höhe von rund 200 000 Euro für einen Neubau, die für die Stadt Solingen allein nicht zu stemmen seien. „Außerdem ist die Stadt nicht Eigentümerin der Brücke“, betont Honscheid. „Der Solinger Teil gehört dem Eigentümer der Papiermühle.“ [Der Eigentümer dürfte Herr Lapawa bzw. einer seiner Firmen sein. ] Der Wuppertaler Teil stehe im Besitz der Bundesverwaltung, da sich das Widerlager auf der anderen Wupperseite an einer Landstraße befindet. Dennoch habe die Stadt Interesse daran gehabt, die Brücke neu zu errichten. „Es handelt sich um einen wichtigen Wanderweg. Nicht an vielen Stellen kann man entlang der Wanderwege die Wupper überqueren.“

Spaziergängerbrücke an der Papiermühle: (Mai 2007)Spaziergängerbrücke an der Papiermühle: (Mai 2007)

Bin gespannt, wie man jetzt weiter vorgeht. Lässt man die Brücke vor sich hin rosten, hängt dann wieder Schilder zum Schutze der Kanuten über die Wupper ? Muss der Eigentümer das Hindernis auf eigene Kosten entfernen? Seit wann ist die Stadt Solingen bzw. der passende Stadtdienst nicht mehr Eigentümer der Brücke?

Und wenn jetzt jemand nach der Gitterbrücke der ehemaligen Ronsdorf-Müngstener-Eisenbahn fragt, die wenige Meter unterhalb an der Grunenburg die Wupper mit Rost speist, da kann ich nur antwortet: Die Stadt Solingen antwortet mir nicht mehr auf Anfragen bezüglich der Abrissplanung.

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