Auf Spurensuche rund um die Papiermühle

Mit von der Partie: Herr Olsen

Von den Werk-Gebäuden der einstigen Papiermühle ist fast nichts mehr vorhanden.

Hier ein Vergleich:

Solinger Papiermühle: im Februar 2002Solinger Papiermühle: im Februar 2002

Markiert habe ich den Fassadenabschnitt, der noch vorhanden ist und im nächsten Foto zu sehen ist.

Fassadenrest im August 2010: PapiermühleFassadenrest im August 2010: Papiermühle

Positiv kann man bemerken, dass man in Hofschaft Papiermühle mächtig aufgeräumt hat.

Vor Ort kann man auf einer Stele etwas zur Geschichte lesen:

Schriften aus Salingiacum

Der Buchdruck war gerade erst erfunden und nur wenige Menschen konnten lesen und schreiben, als Mönche des Altenberger Klosters um 1520 hier die erste Papiermühle im Herzogtum Jülich und Berg errichteten. Zur Herstellung benötigten sie jede Menge Lumpen, die es in der dicht bevölkerten Gegend reichlich gab. Das Bindemittel gewann man aus Knochen- und Hornabfällen aus der Schneidwarenindustrie. 1537 übernahm der sehr gebildete Buchdrucker Johann Soter aus Köln die Mühle. Hier konnte er das Papier für die von ihm vertriebenen theologischen Schriften und Werke Homers, Ciceros und Aristoteles herstellen. Als Druckort gab Soter „Salingiacum“ – eine Latinisierung des Namens Solingen an. 300 Jahre blieb die Papiermühle im Besitz der Familie Soter. Die wachsende Industrie schätzte ihr Blaunähnadelpapier, ein aus alten Schiffstauen hergestelltes, wasserabweisendes Verpackungsmaterial. 1826 übernahm die Familie Jagenberg den Betrieb. Die Mechanisierung in großem Stil, angetrieben von einer 300 PS Dampfmaschine, erfolgte in den 1860er Jahren. Neben weißen Druck- und Schreibpapieren hatte man sich auf säurefreies, rostschützendes Packpapier für die Stahlindustrie spezialisiert. Nachdem 1880 große Teile der Anlagen abgebrannt waren, entstand eine moderne Fabrik, die bis in 1990er Jahre produzierte. Zu ihr gehörten die 1907/08 errichteten Wohnhäuser mit Selbstversorgergärten.

Fabrikantenvilla der Familie Jagenberg: errichtet 1898Fabrikantenvilla der Familie Jagenberg: errichtet 1898

Auf dem runden Sockel im Vordergrund soll einmal ein Kollergang gestand haben.

Hier ein Blick in Richtung Wupper, Cronenberg:

Papiermühle: heute überwiegt das Grün in dieser IndustriebrachePapiermühle: heute überwiegt das Grün in dieser Industriebrache

Wenn man die Idylle verlässt, so stößt man bald auf – richtig – Schilder:

Bitte nicht füttern !: Wir müssen Wolle geben.Bitte nicht füttern !: Wir müssen Wolle geben.

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Kommentare

Wie

immer, hochwertige Foto...

Danke !

Freu :-)

Papiermühle

Das kleine Haus im Vordergrund ist Thomas (Linge)s Garage. Die bleibt stehen!

Was ist mit der Villa, wenn man den Soter Weg herunterkommt, auf der linken Seite?

Das war das Privathaus der Witwe Jagenberg (sehr sehr nobel - Kiesweg-Einfahrt und so weiter, ich hatte das Vergnügen die alte Dame in den späten Achzigern als Taxifahrer öfters ´mal zum Friseur zu fahren). Schon damals als Endzwanziger wurde mir durch Sie der Unterschied von "altem" zu "neuem" Geld bewusst. Eine richtig nette alte Dame.

Gruss
Jens

Das kleine Haus im Vordergrund

soll ein Gemeinderaum mit Kapelle sein. Das Errichtungsdatum der Garage rechts daneben wird mit 1900 angegeben. Leider sind einige Türen in den letzten Monaten gewaltsam geöffnet worden.

Ein Foto der Villa haben ich Dir oben eingefügt. Die Villa wurde vor ein paar Jahren renoviert.

Garage

War der Anbau (heute Garage) nicht ursprünglich der Gemeinderaum?
>Kapelle mit Gemeinderaum

Privatgrundstück - Durchfahrt verboten

Als ich das letzte Mal (und das erste Mal) dort verweilte, versperrten Schilder den Weg, die obigen Spruche verkündeten. Nicht mal bis zum Wendeplatz durfte ich -- tat ich dann doch, sonst wäre die Wende etwas abenteuerlich geworden.
Ist das da unten wirklich Privatbesitz -- es stehen ja mehrere Wohnhäuser dort, es ist eine breite, offene Straße -- oder sind die Schilder ein Relikt vergangener Zeiten?

Der genaue Schildertext lautet:

„Privatgelände - Frei nur für Anlieger !“

Ob die Hofschaft immer noch in Privatbesitz ist, weiß ich nicht.
Diese Anlieger frei-Einschränkung ist doch fast normal abseits der Hauptverkehrsadern.

Lobend muss man heute schon erwähnen, dass man ab Altenbau kein Wegezoll zahlen muss. ;-)
(Siehe die unsägliche Diskussion an der Itter rund um die Brucher Mühle.)

Dich trieb der miese Nager an die Örtlichkeit ?!

Ich gestehe

Nein, kein Nager war es, den ich aufsuchte. Obwohl ich einen kurzen Blick vom Wupperufer auf die Brücke riskierte. Der Weg geradeaus ist ja versperrt, von Grün überwuchert. Doch ein schmaler Pfad führt hinunter zum Wupperufer. Und dort am Wupperufer konnte ich im kargen Streulicht von Mond, Sternen oder doch der einen oder anderen Lampe, und im Schein der P17 nicht nur die Brücke mit ihren Standbeinen, sondern auch eine Gruppe Flußkrebse erspähen.

Und nun gestehe ich, es war mein zweiter Besuch dort vor Ort, bei dem ich erst bis zur Wupper gelangte. War es am selben Tag, an dem ich auch die Kehre mit dem Wagen fuhr? Oder war es in den ersten Minuten des Folgetages? Tief in der Nacht nahm ich einen anderen Weg, den durch den Wald, südlich, zu Fuß, steil den Berg hinunter, in einer größeren Gruppe bei einer Nachtwanderung. Nein, es war nicht der Nager, es war ein blauer Seebär, dem ich folgte.

Der blaue Seebär war es also

Dann dürfte Dir dies hier bekannt vorkommen.

Dem blauen Seebär ins Auge geschautDem blauen Seebär ins Auge geschaut

Käptn Blaubär

Die Knoten-Station hatte ich auf der Runde mit Tetti durch Zufall gefunden. Mit zunehmender Erfahrung findet man Caches, die man gar nicht suchte...

Psst

Nichts verraten!

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